Viele deutsche Broker locken mit günstigen Gebühren und großer ETF-Auswahl. Aber Achtung: Als Österreicher musst du die Steuern selbst erledigen – es sei denn, du wählst einen der wenigen "steuereinfachen" Anbieter.
Die Situation für Österreicher
Grundsätzlich kannst du als Österreicher bei fast jedem deutschen Broker ein Depot eröffnen. Die EU-Niederlassungsfreiheit macht es möglich. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied:
| Broker-Typ | KESt-Abführung | Steuererklärung | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Steuereinfach (AT-Lizenz) |
Automatisch | Nicht nötig | ✅ Minimal |
| Nicht steuereinfach (DE-Lizenz) |
Selbst | Pflicht (E1kv) | ⚠️ Hoch |
⚠️ Wichtig: "Steuereinfach" bedeutet, dass der Broker die österreichische KESt (27,5%) automatisch an das Finanzamt abführt. Bei deutschen Brokern ohne AT-Lizenz musst du das selbst in der Steuererklärung machen.
Steuereinfache Broker mit DE-Wurzeln
Gute Nachricht: Einige ursprünglich deutsche Broker haben mittlerweile eine österreichische Lizenz und sind damit steuereinfach:
| Broker | Herkunft | Steuereinfach AT | Ordergebühr |
|---|---|---|---|
| Trade Republic | 🇩🇪 Berlin | ✅ Ja (seit 2024) | 1 € |
| Scalable Capital | 🇩🇪 München | ✅ Ja (seit 2024) | 0,99 € / 0 € (Prime) |
| Flatex | 🇩🇪 Frankfurt | ✅ Ja (seit 2009) | 5,90 € |
Diese drei Broker sind für die meisten Österreicher die beste Wahl: Deutsche Technologie und Preise, aber mit österreichischer Steuerabwicklung.
Deutsche Broker ohne AT-Lizenz
Diese beliebten deutschen Broker sind in Österreich nicht steuereinfach:
| Broker | Für AT verfügbar | Steuereinfach | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Smartbroker+ | ✅ Ja | ❌ Nein | Günstig, aber Steueraufwand |
| comdirect | ✅ Ja | ❌ Nein | Commerzbank-Tochter |
| ING DiBa (DE) | ✅ Ja | ❌ Nein | Nicht mit ING AT verwechseln |
| Consorsbank | ✅ Ja | ❌ Nein | BNP Paribas |
| DKB | ⚠️ Eingeschränkt | ❌ Nein | Nur mit DE-Adresse |
| finanzen.net zero | ✅ Ja | ❌ Nein | 0 € Orders, Gettex |
| justTRADE | ✅ Ja | ❌ Nein | 0 € Orders |
Was bedeutet "nicht steuereinfach" konkret?
Wenn du einen nicht-steuereinfachen Broker nutzt, musst du:
- Alle Transaktionen dokumentieren: Käufe, Verkäufe, Dividenden, ausschüttungsgleiche Erträge
- Steuern selbst berechnen: 27,5% KESt auf realisierte Gewinne und Erträge
- Jährlich Steuererklärung abgeben: Formular E1kv beim Finanzamt
- Ausschüttungsgleiche Erträge versteuern: Bei thesaurierenden ETFs – auch ohne Verkauf!
- Anschaffungskosten nachführen: Für spätere Gewinnberechnung
🚨 Unterschätze den Aufwand nicht: Besonders die ausschüttungsgleichen Erträge bei thesaurierenden ETFs sind komplex. Du musst sie jährlich versteuern, obwohl du nichts ausgezahlt bekommst – und später beim Verkauf wieder gegenrechnen.
Beispiel: Steueraufwand bei einem thesaurierenden ETF
Angenommen, du hast einen MSCI World ETF bei einem deutschen Broker:
- Jedes Jahr im Jänner: OeKB-Datenbank prüfen → ausschüttungsgleiche Erträge notieren
- 27,5% KESt darauf berechnen und in E1kv eintragen
- Beim Verkauf: Alle bereits versteuerten Erträge vom Gewinn abziehen
- Dokumentation über Jahre hinweg aufbewahren
Bei einem steuereinfachen Broker passiert das alles automatisch.
Wann lohnt sich ein deutscher Broker trotzdem?
Es gibt durchaus Szenarien, in denen ein nicht-steuereinfacher Broker Sinn machen kann:
✅ Sinnvoll bei:
- Nur Einzelaktien: Die Steuer ist relativ einfach (nur Dividenden + Verkaufsgewinne)
- Nur ausschüttende ETFs: Keine komplizierten ausschüttungsgleichen Erträge
- Steuerberater vorhanden: Der übernimmt den Aufwand
- Sehr großes Depot: Kostenersparnis überwiegt den Aufwand
- Spezielle Produkte: Wenn der Broker etwas anbietet, das es in AT nicht gibt
❌ Nicht sinnvoll bei:
- ETF-Sparpläne: Viele kleine Transaktionen = viel Dokumentation
- Thesaurierende ETFs: Ausschüttungsgleiche Erträge sind komplex
- Keine Steuererfahrung: Fehler können teuer werden
- Kleine Depots: Aufwand steht in keinem Verhältnis zur Ersparnis
Kosten-Vergleich: Lohnt sich der Aufwand?
Rechnen wir nach: Wie viel sparst du wirklich bei einem günstigeren deutschen Broker?
| Szenario | Flatex (AT) | Smartbroker (DE) | Ersparnis/Jahr |
|---|---|---|---|
| 12 ETF-Sparplan-Ausführungen | 0 € (Gratis-ETFs) | 0 € | 0 € |
| 12 Aktien-Orders à 1.000 € | 70,80 € (5,90 €/Order) | 0 € (Gettex) | ~70 € |
| Depotgebühr | 0 € | 0 € | 0 € |
| Steuerberater | 0 € | ~200-500 € | −200 bis −500 € |
Fazit: Bei den meisten Privatanlegern frisst der Steueraufwand (Zeit oder Steuerberater) die Kostenersparnis wieder auf – oder übersteigt sie sogar.
Sonderfall: DEGIRO
DEGIRO war lange ein beliebter günstiger Broker für Österreicher. Wichtig zu wissen:
- DEGIRO wurde 2021 von Flatex übernommen
- Das österreichische DEGIRO wurde eingestellt – bestehende Kunden wurden zu Flatex migriert
- DEGIRO Deutschland nimmt keine österreichischen Neukunden mehr an
- Wenn du ein Depot bei DEGIRO hattest, bist du jetzt automatisch bei Flatex – und damit steuereinfach
✅ Empfehlung: Ehemalige DEGIRO-Kunden sollten bei Flatex bleiben – du hast jetzt einen steuereinfachen Broker mit ähnlichen Konditionen.
Unsere Empfehlung
Für die allermeisten österreichischen Anleger gilt:
💡 Nutze einen steuereinfachen Broker mit deutschen Wurzeln:
- Trade Republic – Beste App, 1 € pro Order, alle Sparpläne gratis
- Scalable Capital – Flatrate-Modell, Desktop + App, Prime Broker
- Flatex – Etabliert seit 2009, größte ETF-Auswahl, Wertpapierkredit
Du bekommst das Beste aus beiden Welten: Deutsche Innovationen und günstige Preise, kombiniert mit österreichischer Steuerabwicklung. Kein E1kv, keine OeKB-Recherche, kein Steuerberater nötig.
Checkliste: Deutscher Broker ja oder nein?
Bevor du dich für einen nicht-steuereinfachen Broker entscheidest, beantworte diese Fragen:
- ☐ Habe ich Erfahrung mit der österreichischen Kapitalertragssteuer?
- ☐ Bin ich bereit, jährlich eine Steuererklärung abzugeben?
- ☐ Kann ich ausschüttungsgleiche Erträge korrekt berechnen?
- ☐ Habe ich einen Steuerberater, der sich mit Wertpapieren auskennt?
- ☐ Ist mein Depot groß genug, dass sich der Aufwand lohnt? (>50.000 €)
- ☐ Brauche ich Produkte, die es bei steuereinfachen Brokern nicht gibt?
Wenn du nicht mindestens 3-4 Fragen mit "Ja" beantworten kannst, bleib bei einem steuereinfachen Broker.
Häufige Fragen
Ja. Ausländische Kapitalerträge müssen in der Einkommensteuererklärung (Formular E1kv) angegeben werden. Das gilt auch für deutsche Depots, da Deutschland für Steuerzwecke als Ausland gilt.
Nein. Als österreichischer Steuerbürger bist du in Deutschland nicht steuerpflichtig. Deutsche Broker behalten bei dir keine Kapitalertragsteuer ein – du musst die österreichische KESt selbst abführen.
Ja, ein Depotübertrag ist möglich. Allerdings musst du die Anschaffungsdaten (Kaufkurse, Datum) korrekt übermitteln, damit der neue Broker die Steuern richtig berechnen kann. Das kann aufwendig sein.
Das ist Steuerhinterziehung. Durch den automatischen Informationsaustausch (CRS) erfährt das österreichische Finanzamt von deinem deutschen Depot. Nicht deklarierte Kapitalerträge können zu Nachzahlungen, Zinsen und Strafen führen.
Ja, seit 2024. Beide Broker haben eine österreichische Niederlassung und führen die KESt automatisch ab. Du musst keine Steuererklärung machen – das war vor 2024 anders, als beide noch rein deutsche Broker waren.