Grundlagen
Wenn du bei einem nicht-steuereinfachen Broker (z.B. DEGIRO, Interactive Brokers) ein Depot hast, wird keine österreichische KESt einbehalten. Du musst die Steuer selbst berechnen und abführen.
Das betrifft alle Kapitalerträge:
- Kursgewinne aus Verkäufen
- Dividenden
- Zinsen
- Ausschüttungsgleiche Erträge bei ETFs
Deine Pflichten
1. Dokumentation
Du musst alle Transaktionen lückenlos dokumentieren:
- Kaufdatum und Kaufkurs
- Verkaufsdatum und Verkaufskurs
- Dividendenzahlungen inkl. Quellensteuer
- Ausschüttungsgleiche Erträge bei ETFs (über OeKB)
2. Steuerberechnung
Die KESt beträgt 27,5% auf alle Kapitalerträge. Bei Dividenden mit ausländischer Quellensteuer kann bis zu 15% angerechnet werden.
3. Steuererklärung
Die Kapitalerträge müssen im Formular E1kv (Beilage zur Einkommensteuererklärung) angegeben werden.
4. Steuerabfuhr
Die Steuer ist quartalsweise mittels Sondervorauszahlung oder mit der Jahreserklärung zu entrichten.
ETFs im Auslandsdepot
Besonders komplex ist die Besteuerung von ETFs. Neben Ausschüttungen und Kursgewinnen musst du auch die ausschüttungsgleichen Erträge (agE) versteuern:
- ISIN des ETFs auf my.oekb.at suchen
- Steuerdaten für das relevante Geschäftsjahr abrufen
- agE pro Anteil × Anzahl Anteile = steuerpflichtige agE
- 27,5% KESt auf die agE berechnen
Bei Nicht-Meldefonds (keine Daten auf OeKB) gilt die ungünstige Pauschalbesteuerung!
Wie hoch ist der Aufwand?
Der Aufwand hängt stark von deinem Portfolio ab:
- Nur Einzelaktien: Überschaubar - Kursgewinne und Dividenden dokumentieren
- Mit ETFs: Deutlich aufwändiger wegen ausschüttungsgleicher Erträge
- Viele Transaktionen: Sehr aufwändig - eventuell Software oder Steuerberater nötig
Alternative: Steuereinfache Broker
Für die meisten Privatanleger ist ein steuereinfacher Broker die bessere Wahl:
| Aspekt | Auslandsdepot | Steuereinfach |
|---|---|---|
| KESt-Berechnung | Selbst | Automatisch |
| Steuererklärung | Pflicht (E1kv) | Nicht nötig |
| ETF-Steuer | Komplex | Automatisch |
| Zeitaufwand | Mehrere Stunden/Jahr | Null |
Häufige Fragen
Kapitalerträge nicht zu versteuern ist Steuerhinterziehung. Es drohen Nachzahlungen, Zinsen und Strafen. Ausländische Broker melden Daten im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs (CRS) an österreichische Behörden.
Bei einem komplexen Portfolio (viele ETFs, viele Transaktionen) ist ein Steuerberater empfehlenswert. Die Kosten sind aber oft höher als die Ersparnis gegenüber einem steuereinfachen Broker.