Täglich fällige Spareinlagen österreichischer Haushalte brachten im August 2026 laut Zinsstatistik der OeNB im Schnitt 0,70 Prozent. Der Zinssatz, zu dem sich Banken im Euroraum über Nacht Geld leihen, lag am 22. Oktober 2026 bei 2,442 Prozent. Ein Geldmarkt-ETF reicht diesen Tageszins an dich weiter, abzüglich seiner Kosten. Er wird allerdings anders besteuert und anders abgesichert als ein Sparkonto, und ein falsch gewählter Fonds kostet dich mehr Steuer, als er abwirft.
Wie ein Geldmarkt-ETF zu seinen Zinsen kommt
Viele Geldmarkt-ETFs orientieren sich am €STR, der Euro Short-Term Rate. Die Europäische Zentralbank berechnet ihn an jedem Geschäftstag aus den unbesicherten Übernachtkrediten, die Banken im Euroraum aufnehmen. Für den 22. Oktober 2026 flossen 847 Geschäfte von 48 Banken mit zusammen 61,4 Milliarden Euro ein. Ergebnis: 2,442 Prozent.
Zinsen schreibt ein Geldmarkt-ETF nicht gut wie ein Sparkonto. Bei einem thesaurierenden Fonds steigt stattdessen der Anteilspreis jeden Tag um den Tageszins, abzüglich der laufenden Kosten. Wie der Fonds diesen Zins erwirtschaftet, ist eine Frage der Bauart, und davon gibt es zwei.
| Geldmarktfonds nach EU-Verordnung | Swap-ETF auf den Tageszins | |
|---|---|---|
| Was der Fonds hält | Kurzlaufende Geldmarktpapiere, Bankeinlagen, umgekehrte Pensionsgeschäfte | Einen Korb von Wertpapieren, dessen Ertrag er per Swap gegen den €STR tauscht |
| Regelwerk | Verordnung (EU) 2017/1131 mit Laufzeit- und Liquiditätsgrenzen | OGAW-Regeln, Gegenparteirisiko aus dem Swap höchstens 10 % des Fondsvermögens |
| Wo das steht | Basisinformationsblatt und Verkaufsprospekt des Fonds | |
Die Geldmarktfonds-Verordnung zieht enge Grenzen: Ein kurzfristiger Geldmarktfonds darf eine gewichtete Zinsbindung von höchstens 60 Tagen und eine gewichtete Restlaufzeit von höchstens 120 Tagen haben, ein Standard-Geldmarktfonds sechs und zwölf Monate. Derivate darf ein solcher Fonds nach Artikel 13 nur zur Absicherung einsetzen. Ein ETF, der den Tageszins über einen Swap bezieht, ist deshalb rechtlich gar kein Geldmarktfonds, sondern ein gewöhnlicher OGAW-Fonds mit Geldmarktbezug. Für ihn gilt die Grenze der OGAW-Richtlinie: Das Ausfallrisiko aus OTC-Derivaten mit einer Bank darf 10 Prozent des Sondervermögens nicht überschreiten.
Risikohinweis: Investieren birgt Verlustrisiken. Der Wert von Investments kann steigen oder fallen, im schlimmsten Fall droht der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die Inhalte dieser Seite sind keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.
Tageszins, Leitzins und Sparzins im Vergleich
Die Lücke zwischen dem, was Banken untereinander zahlen, und dem, was sie Sparern zahlen, ist der eigentliche Grund für Geldmarkt-ETFs. Die Zahlen von EZB und OeNB:
| Zinssatz | Höhe | Stand |
|---|---|---|
| EZB-Einlagesatz | 2,50 % | seit 16.09.2026 |
| €STR, Tageszins unter Banken | 2,442 % | 22.10.2026 |
| Neue Einlagen privater Haushalte, Bindung bis 1 Jahr | 2,15 % | August 2026 |
| Täglich fällige Spareinlagen privater Haushalte | 0,70 % | August 2026 |
| Täglich fällige Einlagen privater Haushalte, etwa Girokonten | 0,45 % | August 2026 |
Quellen: EZB, Leitzinsen; EZB, €STR; OeNB, Einlagenzinssätze Neugeschäft und Einlagenzinssätze Bestand, abgerufen am 23.10.2026.
Die OeNB-Werte sind Durchschnitte über alle bestehenden Konten, einzelne Angebote liegen deutlich darüber. Aufschlussreich ist das Tempo. Am 17. Juni 2026 hob die EZB den Einlagesatz von 2,00 auf 2,25 Prozent, der €STR sprang am selben Tag von 1,931 auf 2,182 Prozent. Der Durchschnittszins auf täglich fällige Spareinlagen stieg von Mai bis August 2026 von 0,64 auf 0,70 Prozent, also um 0,06 Prozentpunkte. Ein Geldmarkt-ETF macht eine Zinserhöhung ab dem ersten Tag mit, das Sparkonto nur so weit, wie die Bank will.
Was nach Kosten und KESt übrig bleibt
Für die Rechnung gelten drei Annahmen: Der €STR bleibt ein Jahr lang bei 2,442 Prozent, der Fonds kostet 0,10 Prozent im Jahr, Order- und Spreadkosten bleiben außen vor. Dann wächst der Fonds um 2,342 Prozent. Davon gehen 27,5 Prozent KESt ab, beim Tagesgeld nur 25 Prozent.
| 50.000 € für ein Jahr | Ertrag vor Steuer | KESt | Netto |
|---|---|---|---|
| Geldmarkt-ETF (2,342 % nach Kosten) | 1.171,00 € | 322,03 € (27,5 %) | 848,98 € |
| Tagesgeld zu 2,00 % | 1.000,00 € | 250,00 € (25 %) | 750,00 € |
| Spareinlage zu 0,70 % (OeNB-Schnitt) | 350,00 € | 87,50 € (25 %) | 262,50 € |
Eigene Rechnung. Annahmen: €STR konstant 2,442 % (Stand 22.10.2026), laufende Fondskosten 0,10 % p. a., keine Transaktionskosten. Die tatsächlichen Kosten eines Fonds stehen in seinem Basisinformationsblatt.
Die Schwelle, ab der ein Tagesgeldkonto nach Steuer mithält, liegt in diesem Szenario bei 2,26 Prozent. Erst ab diesem Zins bringt das Konto netto so viel wie der Fonds. Und das Konto hat die Einlagensicherung auf seiner Seite.
Für kurze Parkzeiten verschiebt sich die Rechnung. 10.000 Euro, die drei Monate im Fonds liegen, bringen vor Steuer etwa 58,55 Euro. Kosten Kauf und Verkauf zusammen 10 Euro Ordergebühr, ist ein Sechstel davon weg, dazu kommt der Spread zwischen An- und Verkaufskurs. Unter ein paar Monaten lohnt sich ein Geldmarkt-ETF nur bei einem Broker, der die Order kaum etwas kosten lässt.
Die Steuer: 27,5 statt 25 Prozent, mit einem Vorteil
Zinsen von Sparbuch, Tagesgeld und Girokonto bei einer Bank versteuerst du laut Finanzministerium mit 25 Prozent. Ein Geldmarkt-ETF ist ein Investmentfonds, für seine Erträge gilt der Satz von 27,5 Prozent. Schüttet der Fonds seine Erträge nicht aus, greift die Regel für ausschüttungsgleiche Erträge aus § 186 InvFG: Laufende Zinsen im Fonds gelten jedes Jahr als ausgeschüttet und sind zu versteuern, auch wenn du nichts verkaufst. Gewinne aus Wertpapieren und Derivaten im Fonds zählen zu 60 Prozent, der Rest wird beim Verkauf des Anteils fällig. Die Zahlen liefert der Fonds an die OeKB als Meldestelle.
Liegt der ETF in einem steuereinfachen Depot, zieht die Bank die KESt auf diese Erträge selbst ab. Bei einem Auslandsdepot trägst du sie in die Beilage E 1kv ein.
Der Vorteil gegenüber Tagesgeld: Verluste aus Aktien, ETFs oder Derivaten darfst du nach § 27 Abs. 8 EStG nicht mit Zinsen aus Bankeinlagen verrechnen. Mit den Erträgen eines Geldmarkt-ETFs schon. Hast du 1.000 Euro Kursverlust realisiert und 1.000 Euro Zinsertrag, zahlst du beim Tagesgeld 250 Euro KESt, und der Verlust bleibt ungenutzt, sofern du im selben Jahr keine anderen Kursgewinne hast. Beim Geldmarkt-ETF gleichen sich beide aus. Im selben Depot macht das eine österreichische Bank automatisch, über mehrere Depots hinweg geht es in der Steuererklärung.
Steuerlicher Hinweis: Die steuerliche Behandlung hängt von Ihren individuellen Verhältnissen ab und kann sich ändern. Bitte wenden Sie sich an einen Steuerberater.
Die Falle: Geldmarkt-ETF ohne Meldefonds-Status
Meldet ein Fonds seine Steuerdaten nicht an die OeKB, schätzt das Gesetz die ausschüttungsgleichen Erträge pauschal: 90 Prozent des Kursanstiegs im Kalenderjahr, mindestens aber 10 Prozent des Rücknahmepreises am Jahresende. Bei einem Aktien-ETF ist das ärgerlich. Bei einem Geldmarkt-ETF, der im Jahr 2 bis 3 Prozent zulegt, ist es absurd.
| 10.000 € (100 Anteile zu 100 €), ein Jahr | Meldefonds | Kein Meldefonds |
|---|---|---|
| Kurs am Jahresende | 102,34 € | 102,34 € |
| Tatsächlicher Ertrag | 234,20 € | 234,20 € |
| Steuerlich angesetzter Ertrag | 234,20 € | 1.023,42 € (10 % von 10.234,20 €) |
| KESt 27,5 % | 64,40 € | 281,44 € |
Eigene Rechnung nach § 186 Abs. 2 Z 3 InvFG mit der Wertentwicklung aus dem Szenario oben. Beim Meldefonds vereinfacht: gesamter Ertrag als steuerpflichtig angesetzt.
Die Steuer ist höher als der ganze Ertrag. Zwar erhöhen die pauschal versteuerten Beträge deine Anschaffungskosten, sodass du beim Verkauf einen Verlust ausweisen kannst, und du darfst die tatsächlichen Erträge selbst nachweisen. Beides kostet Arbeit, die du dir sparst, wenn du nur Meldefonds kaufst. Ob ein Fonds dazugehört, zeigt die Liste der KESt-Meldefonds auf my.oekb.at. Die Grundlagen stehen bei Meldefonds und Nicht-Meldefonds.
Sondervermögen statt Einlagensicherung
Ein Tagesgeldkonto ist eine Einlage. Fällt die Bank aus, ersetzt die Sicherungseinrichtung laut Einlagensicherung AUSTRIA bis 100.000 Euro pro Person und Bank. Wie diese Grenze bei mehreren Konten und Marken wirkt, rechnet https://www.tagesgeldzinsen.at/
ETF-Anteile sind Wertpapiere. Sie gehören dir, die Bank verwahrt sie nur, eine Bankpleite betrifft sie deshalb nicht. Das Vermögen des Fonds selbst liegt nach der OGAW-Richtlinie bei einer Verwahrstelle, getrennt von der Fondsgesellschaft. Eine Obergrenze wie die 100.000 Euro gibt es nicht. Wer dauerhaft mehr als diesen Betrag liquide hält, stößt beim Fonds an kein Limit, trägt dafür aber die Risiken im Fonds.
Risikolos ist der Fonds trotzdem nicht. Fällt ein Emittent der Geldmarktpapiere oder die Swap-Bank aus, trifft das den Fondswert, begrenzt durch die Streuungsregeln. Und der Ertrag kann negativ werden: Von 11. Juni 2014 bis Ende Juli 2022 lag der Einlagesatz der EZB unter null. Ein Fonds, der den Tageszins abbildet, verlor in dieser Zeit nach Kosten Wert.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Wann sich der Geldmarkt-ETF lohnt
Der Fonds ist die bessere Wahl, wenn:
- du mehr als 100.000 Euro sicher und jederzeit verfügbar halten willst
- dein Tagesgeld weniger als rund 2,26 Prozent bringt und du das Geld mindestens einige Monate parkst
- du im selben Jahr Kursverluste realisiert hast, die du verrechnen möchtest
- du in deinem Depot einen festen Anteil an sicheren Anlagen hältst und ihn beim Rebalancing ohne Überweisung umschichten willst
Tagesgeld bleibt vorne, wenn:
- es um den Notgroschen unter 100.000 Euro geht und dein Konto einen Zins nahe am Tageszins zahlt
- du das Geld nur wenige Wochen parkst und jede Order Gebühren kostet
- du keine Steuererklärung machen willst und dein Depot nicht steuereinfach ist
Manche Broker verzinsen freies Guthaben direkt im Depot. Bei XTB waren es am 23. Oktober 2026 1,1 Prozent im Standardsatz, also deutlich weniger als ein Tageszins-ETF, aber ohne Order und Spread.
Worauf du beim Kauf achtest
- Meldefonds prüfen. ISIN auf my.oekb.at suchen. Ohne Steuerdaten dort: Finger weg.
- Bauart lesen. Im Basisinformationsblatt steht, ob der Fonds als Geldmarktfonds nach der EU-Verordnung zugelassen ist oder den Tageszins per Swap nachbildet.
- Laufende Kosten vergleichen. Bei einem Ertrag von gut 2 Prozent macht jedes Zehntelprozent an Kosten einen spürbaren Teil aus.
- Thesaurierend oder ausschüttend. Steuerlich in Österreich nahezu gleich, weil auch thesaurierte Erträge jährlich versteuert werden. Praktisch zählt, ob du Zinsen ausgezahlt haben willst. Mehr dazu unter thesaurierend oder ausschüttend.
- Zur Handelszeit kaufen. Während der Xetra-Handelszeit sind die Spannen zwischen An- und Verkauf am engsten. Wie du einen ETF Schritt für Schritt kaufst, steht unter ETF kaufen.
Häufige Fragen
Anders sicher. Tagesgeld ist bis 100.000 Euro pro Bank durch die Einlagensicherung gedeckt. Ein ETF ist Sondervermögen und von einer Pleite der Bank oder Fondsgesellschaft nicht betroffen. Eine Einlagensicherung gibt es für Fondsanteile aber nicht, und der Fonds kann bei negativen Zinsen oder einem Ausfall im Fonds an Wert verlieren.
Mit 27,5 Prozent KESt auf die jährlich gemeldeten ausschüttungsgleichen Erträge und auf den Gewinn beim Verkauf. Tagesgeldzinsen bei einer Bank kosten 25 Prozent. Die steuerliche Behandlung hängt von Ihren individuellen Verhältnissen ab und kann sich ändern. Bitte wenden Sie sich an einen Steuerberater.
Ungefähr den €STR minus die laufenden Kosten. Am 22. Oktober 2026 lag der €STR bei 2,442 Prozent. Bei 0,10 Prozent Kosten bleiben vor Steuer etwa 2,34 Prozent im Jahr, solange der Zins auf diesem Niveau bleibt.
Ja, in drei Fällen: bei negativen Zinsen wie zwischen 2014 und 2022, wenn Kauf- und Verkaufskosten den Ertrag einer kurzen Haltedauer übersteigen, und bei einem Ausfall eines Emittenten oder der Swap-Bank im Fonds.
Quellen
- EZB: Euro Short-Term Rate (€STR), Wert vom 22.10.2026
- EZB: Leitzinssätze
- OeNB: Einlagen- und Kreditzinssätze, Bestand, August 2026
- Verordnung (EU) 2017/1131 über Geldmarktfonds, Art. 13, 24 und 25
- Richtlinie 2009/65/EG (OGAW), Art. 22 und 52
- § 186 Investmentfondsgesetz 2011
- BMF: Verluste aus Kapitalvermögen
- Einlagensicherung AUSTRIA: Informationen zur Einlagensicherung