Mann am Esstisch vergleicht zwei Fondsunterlagen, dahinter hängt eine alte Weltkarte

Wer einen MSCI-World-ETF kauft, legt 72,9 Prozent seines Geldes in US-Aktien an. Beim FTSE All-World sind es 62,3 Prozent. So steht es in den Factsheets von MSCI und FTSE Russell zum 30. September 2026. Der Unterschied von gut zehn Prozentpunkten ist fast vollständig ein einziger Baustein: die Schwellenländer. Alles andere, von der Zahl der Aktien bis zur Fondsgebühr, ist zweitrangig.

Die drei Welt-Indizes nebeneinander

Alle drei Indizes gewichten nach Börsenwert, alle drei enthalten nur große und mittelgroße Unternehmen. Sie unterscheiden sich darin, welche Länder dazugehören und wie tief sie in den Markt hineingreifen.

MSCI World FTSE All-World MSCI ACWI
Länder 23 Industrieländer 49 Länder und Märkte 23 Industrie- und 24 Schwellenländer
Aktien im Index 1.249 4.204 2.414
Schwellenländer-Anteil 0 % 10,0 % 12,0 %
USA 72,94 % 62,28 % 64,21 %
Japan 5,91 % 6,06 % 5,20 %
Größte Position (Nvidia) 5,81 % 5,02 % 5,11 %
Zehn größte Positionen zusammen 27,85 % 24,81 % 25,40 %
Abdeckung laut Anbieter rund 85 % des Streubesitzes je Land Ziel 90 % je Region rund 85 % des investierbaren Marktes

Quellen: Factsheets MSCI World, MSCI ACWI und MSCI Emerging Markets sowie FTSE All-World, jeweils Stand 30.09.2026. Schwellenländer-Anteil eigene Rechnung: beim FTSE All-World Marktwert des Emerging-Teils (10,59 Billionen US-Dollar) durch Gesamtindex (105,81 Billionen), beim MSCI ACWI Marktwert des MSCI Emerging Markets (12,28 Billionen) durch MSCI ACWI (102,70 Billionen).

Österreich zählt bei beiden Anbietern zu den Industrieländern und ist damit in allen drei Indizes vertreten. Ins Gewicht fällt das nicht: Im FTSE All-World kommen die zehn österreichischen Werte zusammen auf 0,09 Prozent.

Risikohinweis: Investieren birgt Verlustrisiken. Der Wert von Investments kann steigen oder fallen, im schlimmsten Fall droht der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die Inhalte dieser Seite sind keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung.

Schwellenländer: der eigentliche Unterschied

Im MSCI World fehlen China, Indien, Taiwan, Brasilien und alle anderen Schwellenländer. Damit fehlt auch der taiwanische Chiphersteller TSMC, der im MSCI ACWI mit 1,87 Prozent auf Platz sechs der größten Positionen steht. Wer nur den MSCI World hält, setzt also bewusst oder unbewusst ausschließlich auf die Industrieländer.

Interessant ist, warum der FTSE All-World trotz fast doppelt so vieler Länder weniger Schwellenländer enthält als der MSCI ACWI. Die beiden Indexanbieter stufen einzelne Länder unterschiedlich ein. FTSE Russell führt laut seiner Länderklassifikation vom Oktober 2026 Südkorea, Polen und seit 21. September 2026 auch Griechenland als Industrieländer. Bei MSCI gelten alle drei als Schwellenländer.

Gewicht im Index FTSE All-World MSCI ACWI MSCI World
Taiwan 3,54 % 3,46 % 0 %
China 2,68 % rund 2,4 % 0 %
Südkorea 2,60 % (als Industrieland) rund 2,6 % 0 %
Indien 1,50 % rund 1,3 % 0 %

Quellen: Factsheets FTSE All-World und MSCI ACWI, Stand 30.09.2026. Werte mit „rund“ eigene Rechnung aus den Länderanteilen im MSCI Emerging Markets (China 19,8 %, Südkorea 21,4 %, Indien 10,65 %) mal 12,0 % Schwellenländer-Anteil im MSCI ACWI. Für Taiwan ergibt dieselbe Rechnung die 3,46 % aus dem ACWI-Factsheet.

Ob dir die Schwellenländer etwas bringen, lässt sich aus der Vergangenheit nicht ablesen, nur wie unterschiedlich die Jahre verlaufen können. Laut MSCI-Factsheet, in US-Dollar und nach Quellensteuer:

Jahr MSCI World MSCI ACWI MSCI Emerging Markets
2021 21,82 % 18,54 % -2,54 %
2022 -18,14 % -18,36 % -20,09 %
2023 23,79 % 22,20 % 9,83 %
2024 18,67 % 17,49 % 7,50 %
2025 21,09 % 22,34 % 33,57 %
10 Jahre p. a. bis 30.09.2026 12,81 % 12,38 % 9,09 %

Quelle: MSCI ACWI Index Factsheet, Net Returns in USD, Stand 30.09.2026. In Euro gerechnet weichen die Werte je nach Wechselkurs ab.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

Vier Jahre in Folge lag der MSCI World vor dem ACWI, 2025 drehte sich das Bild, als die Schwellenländer um 33,57 Prozent zulegten. Über zehn Jahre hat die Beimischung der Schwellenländer den ACWI 0,43 Prozentpunkte pro Jahr gekostet. Das ist ein Rückblick, keine Regel für die nächsten zehn Jahre.

Small Caps: in keinem der drei

Trotz seiner gut 4.200 Titel enthält der FTSE All-World keine kleinen Unternehmen. Er deckt wie die beiden MSCI-Indizes nur Large und Mid Caps ab, greift dabei aber tiefer: FTSE Russell zielt auf 90 Prozent Abdeckung, MSCI auf rund 85 Prozent. Am Median sieht man, was das bedeutet. Das mittlere Unternehmen im MSCI World ist 24,1 Milliarden US-Dollar wert, im Industrieländer-Teil des FTSE All-World 12,1 Milliarden.

Wer wirklich Nebenwerte im Depot haben will, braucht einen eigenen Small-Cap-ETF oder einen Index, der sie ausdrücklich einschließt, etwa die IMI-Varianten von MSCI. Für einen ersten Welt-ETF ist das keine Pflicht.

Sektoren: gleiche Firmen, andere Schubladen

Im MSCI World macht Informationstechnologie 31,78 Prozent aus, im FTSE All-World der Sektor Technology 36,11 Prozent. Daraus zu schließen, der FTSE-Index sei technologielastiger, wäre falsch. MSCI sortiert nach dem GICS-System und ordnet Alphabet und Meta den Kommunikationsdiensten zu. FTSE Russell nutzt die Industry Classification Benchmark und stellt dieselben Konzerne unter Software and Computer Services, also zur Technologie. Sektorvergleiche zwischen den beiden Anbietern sind deshalb nur mit Vorsicht zu lesen.

Aussagekräftiger ist die Konzentration auf die größten Werte. Die zehn größten Positionen machen im MSCI World 27,85 Prozent aus, im FTSE All-World 24,81 Prozent. Im MSCI World sind das ausschließlich US-Konzerne, im FTSE All-World neun US-Konzerne und TSMC aus Taiwan.

Was die ETFs dazu kosten

Für alle drei Indizes gibt es ETFs mit irischem Sitz, die in Österreich als Meldefonds registriert sind. Die laufenden Kosten liegen zwischen 0,12 und 0,20 Prozent im Jahr:

ETF ISIN Kosten p. a. Erträge
iShares Core MSCI World IE00B4L5Y983 0,20 % thesaurierend
Xtrackers MSCI World 1C IE00BJ0KDQ92 0,12 % thesaurierend
Vanguard FTSE All-World (Acc) IE00BK5BQT80 0,14 % thesaurierend
Vanguard FTSE All-World (Dist) IE00B3RBWM25 0,14 % ausschüttend, vierteljährlich
SPDR MSCI ACWI IE00B44Z5B48 0,12 % thesaurierend
iShares MSCI ACWI IE00B6R52259 0,20 % thesaurierend

Quelle: Produktseiten von iShares, Xtrackers, Vanguard und SPDR; Meldefonds-Status laut OeKB Steuerdaten zu Fonds, abgerufen am 30.10.2026. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Maßgeblich sind ausschließlich die Informationen des jeweiligen Anbieters.

Die Auswahl ist eine Übersicht der großen Anbieter, keine Empfehlung einzelner Produkte. Bei 10.000 Euro Anlagesumme macht der Unterschied zwischen 0,12 und 0,20 Prozent 8 Euro im Jahr aus. Das ist weniger, als ein Indexwechsel kosten kann, und viel weniger als die Unterschiede in der Länderverteilung bewirken.

Zwei Details lohnen den Blick in die Produktunterlagen. Erstens halten nicht alle ETFs jede Aktie ihres Index: Vanguard gibt für den FTSE All-World 3.821 Aktien im Fonds bei 4.203 im Index an, iShares für den MSCI ACWI 1.662 Positionen, SPDR für denselben Index 2.248. Das ist üblich und erklärt kleine Abweichungen von der Indexrendite. Zweitens ist die ausschüttende Variante nicht automatisch gleich teuer wie die thesaurierende. Bei Vanguard kosten beide 0,14 Prozent, der ausschüttende iShares MSCI World (IE00B0M62Q58) dagegen 0,50 Prozent.

Ausschüttend oder thesaurierend: was in Österreich steuerlich passiert

In Österreich ist die Wahl zwischen ausschüttend und thesaurierend bei einem Meldefonds kaum eine Steuerfrage. Steuerpflichtig sind die Erträge des Fonds jedes Jahr mit 27,5 Prozent, egal ob er sie auszahlt oder wieder anlegt.

  • Ausschüttend: Die KESt fällt bei jeder Ausschüttung an. Der Vanguard FTSE All-World (Dist) hat laut OeKB-Meldung vom 23.09.2026 zuletzt 0,5434 US-Dollar je Anteil ausgeschüttet, voll steuerpflichtig.
  • Thesaurierend: Der Fonds meldet einmal im Jahr die ausschüttungsgleichen Erträge an die OeKB. Nach § 186 InvFG gelten sie mit der Veröffentlichung dieser Meldung als zugeflossen. Die KESt wird dann fällig, obwohl kein Geld geflossen ist.

Wie das konkret aussieht, zeigen die Steuerdaten, die die OeKB für zwei thesaurierende Welt-ETFs veröffentlicht hat:

100 Anteile, Beträge in US-Dollar Vanguard FTSE All-World (Acc) iShares Core MSCI World
OeKB-Jahresmeldung vom 16.01.2026 18.12.2025
Ausschüttungsgleiche Erträge 159,65 131,88
27,5 % KESt darauf 43,90 36,27
abzüglich anrechenbarer Quellensteuer 15,59 13,26
Zu zahlende KESt 28,31 23,01
Anschaffungskosten erhöhen sich um 129,62 110,20

Eigene Rechnung mit den Werten je Anteil aus den OeKB-Meldungen (Privatanleger): Vanguard 1,5965 / 0,1559 / 1,2962, iShares 1,3188 / 0,1326 / 1,1020. Beträge in der Fondswährung US-Dollar.

Die letzte Zeile ist der Grund, warum nichts doppelt besteuert wird: Weil du auf die thesaurierten Erträge schon KESt gezahlt hast, steigen deine Anschaffungskosten, und beim späteren Verkauf fällt der steuerpflichtige Gewinn entsprechend kleiner aus.

Für die Praxis heißt das:

  • Bei einem steuereinfachen Broker passiert alles automatisch. Halte aber etwas Guthaben auf dem Verrechnungskonto, denn die KESt auf einen thesaurierenden Fonds wird abgebucht, ohne dass vorher etwas gutgeschrieben wurde.
  • Bei einem Auslandsdepot trägst du die Werte selbst in die Beilage E 1kv ein. Die OeKB nennt dazu die Kennzahlen 936 oder 937 für ausschüttungsgleiche Erträge und 897 oder 898 für Ausschüttungen.
  • Kauf nur Meldefonds. Meldet ein Fonds nicht, setzt das Gesetz pauschal 90 Prozent des Kursanstiegs im Kalenderjahr an, mindestens 10 Prozent des Rücknahmepreises zum Jahresende. Ob ein ETF meldet, zeigt die Suche bei der OeKB unter „KESt-Meldefonds“.

Ausschüttend oder thesaurierend ist damit vor allem eine Frage des Geschmacks. Thesaurierend ist bequemer, weil die Erträge ohne dein Zutun im Fonds bleiben. Ausschüttend passt, wenn du regelmäßige Zahlungen willst, etwa in der Entnahmephase. Mehr dazu unter thesaurierend oder ausschüttend und bei der Besteuerung von ETFs und Fonds.

Steuerlicher Hinweis: Die steuerliche Behandlung hängt von Ihren individuellen Verhältnissen ab und kann sich ändern. Bitte wenden Sie sich an einen Steuerberater.

So triffst du die Entscheidung

Welcher Index für dich passt, hängt von deinen Zielen ab und ist keine Frage, die jemand pauschal beantworten kann. Diese Kriterien machen die Wahl aber deutlich kleiner:

  1. Willst du Schwellenländer dabeihaben? Wenn nein, ist der MSCI World die konsequente Wahl. Wenn ja, bekommst du sie mit dem FTSE All-World oder dem MSCI ACWI in einem einzigen ETF.
  2. Wie viel USA verträgst du? Knapp drei Viertel in einem Land sind beim MSCI World der Normalzustand. Wer das als Klumpenrisiko sieht, landet beim FTSE All-World oder MSCI ACWI mit gut 62 bis 64 Prozent.
  3. Ein ETF oder zwei? Mit MSCI World und einem Schwellenländer-ETF im Verhältnis von rund 88 zu 12 bildest du den MSCI ACWI nach. Wer die Schwellenländer bewusst höher gewichten will, wählt einen größeren Anteil, muss dann aber selbst rebalancieren. Ein einzelner Welt-ETF erledigt das von allein.
  4. Gibt es den ETF als Sparplan? Prüfe bei deinem Broker, ob der gewählte Fonds sparplanfähig ist. Bei Scalable Capital etwa sind Käufe von ETFs der Anbieter Amundi, iShares, Vanguard und Xtrackers ab 250 Euro auch außerhalb des Sparplans gebührenfrei zzgl. marktüblicher Spreads, Zuwendungen, Produktkosten. Was die Anbieter unterscheidet, steht unter Neobroker und ETF-Sparplan.
  5. Einmal entscheiden, dann dabei bleiben. Ein späterer Wechsel bedeutet Verkauf, und auf den Kursgewinn fallen 27,5 Prozent KESt an. Bei einem langjährigen Sparplan kann das mehr kosten als jede TER-Differenz der kommenden Jahrzehnte.

Die kürzeste Antwort: Der FTSE All-World und der MSCI ACWI sind für Anleger, die mit einem einzigen ETF die ganze Welt abbilden wollen, nahezu austauschbar. Der MSCI World ist kein schlechterer, sondern ein engerer Index: Industrieländer ohne Schwellenländer, dafür mit höherem US-Anteil.

Häufige Fragen

Der MSCI World enthält nur 23 Industrieländer mit 1.249 Aktien. Der FTSE All-World umfasst 49 Länder und Märkte mit 4.204 Aktien, darunter rund 10 Prozent Schwellenländer wie China, Taiwan und Indien. Der US-Anteil liegt im MSCI World bei 72,9 Prozent, im FTSE All-World bei 62,3 Prozent (Stand 30.09.2026).

Fast. Beide enthalten Industrie- und Schwellenländer. Unterschiede gibt es bei der Ländereinstufung: FTSE Russell zählt Südkorea, Polen und Griechenland zu den Industrieländern, MSCI zu den Schwellenländern. Der MSCI ACWI hat deshalb mit rund 12 Prozent einen etwas höheren Schwellenländer-Anteil als der FTSE All-World mit rund 10 Prozent.

Steuerlich macht es bei einem Meldefonds kaum einen Unterschied. Ausschüttungen werden bei Zufluss mit 27,5 Prozent besteuert, thesaurierte Erträge jährlich über die OeKB-Meldung. Thesaurierend ist bequemer, ausschüttend passt, wenn du regelmäßige Zahlungen willst. Die steuerliche Behandlung hängt von Ihren individuellen Verhältnissen ab und kann sich ändern. Bitte wenden Sie sich an einen Steuerberater.

Nein. Wie der MSCI World und der MSCI ACWI enthält er nur große und mittelgroße Unternehmen. Er greift mit einer Zielabdeckung von 90 Prozent aber etwas tiefer als die MSCI-Indizes mit rund 85 Prozent.

Über die Suche „Steuerdaten zu Fonds“ der Oesterreichischen Kontrollbank. Bei einem Meldefonds steht dort „KESt-Meldefonds: J“, dazu die Jahresmeldungen mit den ausschüttungsgleichen Erträgen je Anteil.

Quellen